"Du sollst dir kein Bildnis machen": AKADEMIE am DOM über Entstehung und Wandel von Gottesbildern
Wien, 18. März 2025 | "Du sollst dir kein Kultbild machen und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde." So lautet das alttestamentliche Bilderverbot aus dem 2. Buch Mose in der Revidierten Einheitsübersetzung. Doch was bedeutet das konkret? Wie absolut ist dieses Zweite Gebot zu verstehen? So absolut, dass sich jede Form der Darstellung etwa Jesu in der Kunst, in der Musik oder auch in der Liturgie verbietet? Im März und April möchte die Wiener AKADEMIE am DOM diesen Fragen in vier Vorträgen nachgehen.
Den Auftakt bildet am 26. März (Beginn: 16 Uhr) ein Vortrag der evangelischen Wiener Religionspsychologin Susanne Heine. Ihr Vortrag steht unter dem Titel "Entstehung und Wandel von Gottesbildern. Psychologische Perspektiven". Darin wird Heine ausgehend von der alltäglichen Bilderflut darauf blicken, wie Gottesbilder positiv oder negativ emotionalisieren können und wie die Wandlung von Gottesbildern mit psychischen Dispositionen zusammenhängen.
Ebenfalls am 26. März (Beginn: 18 Uhr) referiert Johann Hinrich Claussen vom Kulturbüro des Rates der Evangelischen Kirchen Deutschlands über das Thema "Warum Christen keine Gottesbilder malen sollen ...und es doch nicht lassen können". Die Geschichte des Christentums beginnt schließlich mit einem wirkmächtigen Bild – jenem des guten Hirten. Daraus hat sich eine ganze Motivlandschaft bis hinein in die Kunst entwickelt, über die Claussens Buch "Gottes Bilder. Eine Geschichte der christlichen Kunst" Auskunft gibt – und über die er auch bei diesem Vortrag reden wird.
Fortgesetzt wird die Serie dann mit zwei weiteren Vorträgen am 2. April: Ab 16 Uhr referiert der Wiener Neutestamentler Markus Tiwald über "Die letzten Tage Jesu. Wie hat Jesus seinen Tod verstanden und warum musste er sterben?" Auch der Blick auf die letzten Tage Jesu ist schließlich bildreich: vom Kreuz, an dem der Gottesknecht hängt, bis zum leeren Grab und dem weggewälzten Stein vor dem Grab. Eine historisch-kritische Spurensuche zu den letzten Tagen Jesu und wie sie heute verstanden werden können.
Den Abschluss findet die Reihe schließlich ab 18 Uhr mit einem Vortrag von Gustav Danzinger von der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Der Vortrag steht unter dem Titel "Die Gleichnisse Jesu in der Kunst. Malerei und Musik prägen unsere Vorstellung". Wenn Jesus lehrte, benutzte er häufig die rhetorische Form der Bildrede, um religiöse Aussagen in die alltägliche Lebensrealität der einfachen Menschen zu übersetzen. Künstler, die diese Gleichnisse in Bilder oder in Klänge übertrugen, formten die heute üblichen Vorstellungen von ihnen nachhaltig. Auch die Musik beschreibt Inhalt und Wesen dieser Gleichnisse mit der einzigartigen Kraft der Töne. Eine kulturhistorische Spurensuche.
Diese und weitere Veranstaltungen im Überblick unter www.akademie-am-dom.at